Erzähl uns deine Einsatzgeschichte

Bei der Wächterkaste glauben wir, dass jede Geschichte zählt. Ob kleiner Moment oder prägender Einsatz... Teil sie mit uns und werde Teil der Gemeinschaft. Schreib, was passiert ist, was dich bewegt hat, was du gelernt hast. Nach einer kurzen Prüfung veröffentlichen wir ausgewählte Geschichten auf unserer Seite. Danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst und unsere Gemeinschaft stärker machst.

Schreib uns

Von Andre aus Berlin:

Der Melder riss mich kurz nach 22 Uhr aus dem Wohnzimmer. "Verkehrsunfall – Person eingeklemmt." Mehr Informationen gab es zunächst nicht. Als wir an der Einsatzstelle ankamen, sahen wir sofort das Ausmaß. Zwei Fahrzeuge waren frontal zusammengestoßen. Überall lagen Fahrzeugteile, der Regen machte die Straße spiegelglatt und die Polizei war gerade dabei, den Verkehr zu sperren. In einem Auto saß der Fahrer noch eingeklemmt. Er war ansprechbar, aber hatte starke Schmerzen. Während der Rettungsdienst sich um ihn kümmerte, bereiteten wir die technische Rettung vor. Jeder Handgriff musste sitzen. Türen entfernen, Fahrzeug stabilisieren und ständig mit dem Rettungsdienst abstimmen. Nach einigen Minuten konnten wir den Mann schließlich aus dem Fahrzeug befreien. Als der Rettungswagen mit Blaulicht davonfuhr, fiel die Anspannung langsam ab. Erst beim Zusammenpacken wurde mir bewusst, wie schnell sich das Leben ändern kann. Für uns war es ein weiterer Einsatz. Für den Fahrer war es vermutlich der Tag, den er nie vergessen wird.

Von Dave:

Es war kurz nach Mitternacht, als der Alarm kam. Ein schweres Unwetter hatte in einer kleinen Gemeinde ganze Straßenzüge lahmgelegt. Bäume lagen quer über den Straßen, Keller liefen voll und mehrere Orte waren von der Außenwelt abgeschnitten. Wir machten uns mit unseren Fahrzeugen auf den Weg. Schon auf der Anfahrt wurde klar, dass das keine gewöhnliche Nacht werden würde. Überall lagen Äste und umgestürzte Bäume. Die Feuerwehr war bereits an mehreren Stellen gleichzeitig im Einsatz und kam kaum hinterher. Unsere Aufgabe war es, eine beschädigte Brücke provisorisch zu ersetzen, damit Rettungswagen und Feuerwehrfahrzeuge wieder in den Ort gelangen konnten. Jeder wusste, was zu tun war. Während einige Kameraden Material vorbereiteten, begannen andere bereits mit den ersten Arbeiten. Erst als am frühen Morgen der erste Rettungswagen über die fertige Behelfsbrücke fuhr, wurde mir bewusst, warum wir hier waren. Wir hatten niemanden aus einem brennenden Haus gerettet oder spektakuläre Bilder geliefert. Aber wir hatten dafür gesorgt, dass Hilfe überhaupt wieder ankommen konnte. Genau diese Einsätze bleiben mir bis heute im Kopf.

Von Luca:

Es war eigentlich ein ruhiger Dienst, bis der Funk plötzlich einen medizinischen Notfall im Wald meldete. Ein Jogger war während seines Laufs zusammengebrochen. Das Problem war allerdings nicht nur der Patient – sondern auch der Weg zu ihm. Der Rettungswagen kam nur bis zu einem Wanderparkplatz. Den Rest mussten wir mit unserer Ausrüstung zu Fuß zurücklegen. Nach einigen hundert Metern fanden wir den Patienten. Mehrere Spaziergänger hatten bereits Erste Hilfe geleistet und uns eingewiesen. Gemeinsam versorgten wir ihn, stabilisierten seinen Kreislauf und entschieden, ihn möglichst schonend aus dem Gelände zu transportieren. Die Feuerwehr unterstützte uns mit einer Schleifkorbtrage. Meter für Meter ging es über unebene Waldwege zurück zum Rettungswagen. Im Krankenhaus erfuhren wir später, dass der Patient den Vorfall gut überstanden hatte. Solche Rückmeldungen bekommt man nicht oft. Umso mehr freut man sich, wenn man erfährt, dass sich der Einsatz gelohnt hat. An diesem Tag wurde mir wieder bewusst, dass im Rettungsdienst nicht immer spektakuläre Bilder zählen. Oft sind es Teamarbeit, Ausdauer und viele kleine Entscheidungen, die am Ende den Unterschied machen.

Von Tim aus Heide:

Es war ein heißer Sommertag mit Außentemperaturen von rund 40 Grad, als der Melder zu einem Gebäudebrand alarmierte. Für mich war es der erste Einsatz als Atemschutzgeräteträger – entsprechend groß war die Anspannung, aber auch die Vorfreude, das Gelernte endlich in der Praxis anwenden zu können. Bereits bei unserer Ankunft zeigte sich, wie belastend die Bedingungen waren. Zwei Atemschutzgeräteträger, die bereits im Einsatz gewesen waren, mussten aufgrund von Kreislaufproblemen durch den Rettungsdienst versorgt werden. Spätestens in diesem Moment wurde mir bewusst, welche körperlichen Anforderungen dieser Dienst mit sich bringt. Gemeinsam mit meinem Truppkameraden ging ich unter Atemschutz in das erste Obergeschoss vor. Dort suchten wir den betroffenen Bereich ab, öffneten und entfernten Verkleidungen, um versteckte Glutnester freizulegen, und führten anschließend die Nachlöscharbeiten durch. Menschenleben waren zu keiner Zeit in Gefahr, sodass der Einsatz ruhig und kontrolliert abgearbeitet werden konnte. Auch wenn es kein spektakulärer Einsatz war, hat er mir viel gegeben. Ich konnte wertvolle Erfahrungen sammeln, die Zusammenarbeit im Trupp erleben und einen ersten Eindruck davon gewinnen, wie belastend Einsätze unter Atemschutz – besonders bei hochsommerlichen Temperaturen – sein können. Mein erster Atemschutzeinsatz wird mir deshalb noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht wegen der Größe des Brandes, sondern wegen der Erfahrungen, die ich dabei sammeln durfte.